Landkreis informiert über Perspektiven von Erdgas, Wasserstoff und grünen Gasen

Welche Zukunft haben Erdgas, Wasserstoff und die Gasnetze für Industrie und Gewerbe im Landkreis Esslingen? Darüber haben sich am Donnerstag, 21. Mai auf Einladung des Landratsamts rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbänden bei der Veranstaltung „Zukunft der Gasversorgung in Industrie und Gewerbe – Perspektiven zu Erdgas, Wasserstoff und Kosten“ informiert und ausgetauscht. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit den Gasnetzbetreibern Stadtwerken Esslingen, Netze BW und FairNetz GmbH, der Plattform H2BW sowie dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) ausgerichtet.

Landrat Marcel Musolf betonte die zentrale Bedeutung des Themas für den Landkreis als industriell geprägtem Wirtschaftsstandort: „Sehr viele Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von einer verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung ab, insbesondere auch von Erdgas. Die dynamischen energiewirtschaftlichen, regulatorischen und klimapolitischen Veränderungen stellen Unternehmen vor erhebliche Unsicherheiten, insbesondere bei langfristigen Investitionsentscheidungen. Gleichzeitig sehen wir, dass mit dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft neue Wertschöpfungsketten, neue Geschäftsmodelle und hochwertige Arbeitsplätze entstehen können – Chancen, an denen Unternehmen in unserem Landkreis überdurchschnittlich teilhaben sollen“, sagte der Landrat.

Die Dialogveranstaltung bot eine aktuelle Informationsgrundlage zur Transformation der Gasversorgung. Tanja Begenat und Markus König von der Netze BW stellten die Perspektiven von Wasserstoff und klimaneutralen Gasen vor und informierten über Transformationspfade der Gasnetze, rechtliche Rahmenbedingungen, technische Umsetzbarkeit und künftige Importbedarfe.

Martin Zerta von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) zeigte aktuelle Trends bei potenziellen Wasserstoff-Beschaffungspfaden und Energiepreisen auf und nahm mögliche Preisentwicklungen für Erdgas und Wasserstoff sowie deren Bedeutung für die Versorgungssicherheit von Industrieunternehmen in den Blick.

Expertinnen und Experten der regionalen Gasnetzbetreiber, der Energiewirtschaft und der Verwaltung diskutierten in einem Podiumsgespräch, moderiert von Isabel Knüttgen von der Plattform H2BW, künftige Perspektiven und Entwicklungen. Viele Teilnehmenden erhielten Antwort auf ihre Fragen bei den Fachleuten.

Bedeutung der Süddeutschen Erdgasleitung
Die Veranstaltung machte die besondere Rolle deutlich, die bei der Transformation der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL) zukommt, die sich derzeit im Bau befindet. Die SEL soll künftig das neue Gaskraftwerk in Altbach/Deizisau versorgen. Dabei greift das Projekt teilweise auf bestehende Leitungsinfrastruktur zurück und wird an anderen Stellen durch neu gebaute Leitungsabschnitte ergänzt. Die Inbetriebnahme erfolgt zunächst mit Erdgas, mittelfristig soll über die Leitung Wasserstoff transportiert werden. Damit wird die SEL zu einem zentralen Infrastrukturbaustein für die schrittweise Transformation der Gasversorgung im Landkreis Esslingen und leistet zugleich einen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.

Klar wurde, dass die Transformationspfade für Unternehmen unterschiedlich verlaufen, von schrittweisen Umstellungen auf Wasserstoff über hybride Lösungen bis hin zur kompletten Elektrifizierung. Deutlich wurde aber, dass es in der Industrie Prozesse gibt, die auch künftig auf gasförmige Energieträger angewiesen sein werden. „Dies ist eine Realität, der wir uns stellen müssen. Umso wichtiger ist ein frühzeitiger und kontinuierlicher Dialog zwischen Wirtschaft, Netzbetreibern, Politik und Verwaltung“, sagte Landrat Marcel Musolf. Der Landkreis Esslingen verstehe sich dabei als Moderator und Netzwerker. „Wir können keine fertigen Antworten vorgeben, wir informieren, verbinden und schaffen den Raum für fundierten Austausch.“

Hintergrundinformationen   Wasserstoffaktivitäten des Landkreises Esslingen Der Landkreis Esslingen erstellte im Jahr 2023 in Kooperation mit der Hochschule Esslingen eine Potenzialermittlung Wasserstoff für den Landkreis Esslingen. Um die Potentiale im Kreis zu nutzen, wurde mit der Stelle des Koordinators für Wasserstoff und Themen der Energietransformation in der Stabsstelle des Landrats eine zentrale Anlaufstelle in der Kreisverwaltung geschaffen.

Landesagentur e-mobil BW und Plattform H2BW
Die Landesagentur e‑mobil BW vernetzt Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand zur Entwicklung und Markteinführung zukunftsfähiger Mobilitäts- und Energielösungen. Ziel ist es, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Baden‑Württemberg zu stärken und den Wandel hin zu einer klimafreundlichen, vernetzten Mobilität zu unterstützen.
Die Zusammenarbeit des Landkreises Esslingen für diese Veranstaltung erfolgt im Rahmen der Plattform H2BW, die als Teil der e‑mobil BW den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Baden‑Württemberg begleitet. Mehr unter www.e-mobilbw.de.

DVGW
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) ist der technisch-wissenschaftliche Fachverband für Gas und Wasser. Er entwickelt Regeln, Normen und Standards für eine sichere, effiziente und umweltverträgliche Energie- und Wasserversorgung und unterstützt die Weiterentwicklung der Gasinfrastruktur, auch im Hinblick auf Wasserstoff und erneuerbare Gase. Mehr unter www.dvgw-bw.de.

Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST)
Die Ludwig‑Bölkow‑Systemtechnik GmbH (LBST) ist ein Beratungs- und Forschungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Energie‑ und Mobilitätssystemen mit Sitz in Ottobrunn. Gemeinsam mit dem Fraunhofer‑Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat die LBST die Studie „Fakten‑ und Parameteranalyse zur Wasserstoffversorgung von Baden‑Württemberg“ erstellt, die zentrale Grundlagen und Szenarien zur zukünftigen Wasserstoffversorgung des Landes untersucht. Die Studie wurde im Februar 2026 vorgestellt. Mehr unter www.lbst.de.

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