Zehn Jahre Kümmerer‑Projekt: Integration durch Ausbildung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
Seit zehn Jahren unterstützt das Kümmerer‑Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“ junge Geflüchtete und Zugewanderte beim Einstieg in Ausbildung und Praktikum. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Integration und zur Fachkräftesicherung im Landkreis Esslingen. Zum Jubiläum veranstalteten die Kreiswirtschaftsförderung des Landkreises Esslingen und die IHK‑Bezirkskammer Esslingen‑Nürtingen einen Festakt.
Landrat Marcel Musolf würdigte die nachhaltige Wirkung des Projekts: „Eine berufliche Ausbildung ist ein entscheidender Faktor für eine gelungene Integration. Das Kümmerer‑Projekt zeigt, wie durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure ein großer Mehrwert entsteht – für die Gesellschaft ebenso wie für unsere Unternehmen, die auf die Fachkräfte angewiesen sind.“ Zugleich erinnerte Musolf an die Herausforderungen Mitte der 2010er‑Jahre, als viele Menschen vor Krieg und Not nach Deutschland geflohen sind: „Vor diesem Hintergrund ist das Kümmerer‑Projekt zu einem wichtigen Brückenbauer geworden – zwischen jungen Zugewanderten und Geflüchteten auf der einen Seite und ausbildenden Betrieben auf der anderen.“ Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei die kontinuierliche, individuelle Begleitung durch die sogenannte „Kümmerin“ Monika Brucklacher.
Heike Gehrung-Kauderer, die Vizepräsidentin der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, stellte die Perspektive der regionalen Wirtschaft in den Vordergrund: „Für Unternehmen ist das Kümmerer-Projekt ein echter Standortfaktor: Es erschließt motivierte Fachkräfte, reduziert Ausbildungsabbrüche und gibt Betrieben die notwendige Sicherheit im Umgang mit komplexen Rahmenbedingungen. So wird Fachkräftesicherung ganz konkret und nachhaltig wirksam.“
Für das Land Baden‑Württemberg unterstrich Marine Malania‑Göltl die Bedeutung des Projekts, das aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden‑Württemberg gefördert wird.
Ein Höhepunkt des Festakts war die Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen sowie Auszubildenden. Offen, ehrlich und praxisnah wurde deutlich, wie viel Einsatz, Motivation und Zusammenarbeit hinter erfolgreichen Integrationsgeschichten stehen. Im Gespräch mit Moderator Rafael Treite berichteten die Teilnehmenden von ihren persönlichen Wegen, die oft von Herausforderungen geprägt waren, und betonten gleichzeitig die große Bedeutung der Unterstützung durch das Projekt bei Berufsorientierung, Praktika, Bewerbungen und im Umgang mit Behörden. Es wurde deutlich: Integration verläuft selten geradlinig – und jede Geschichte ist einzigartig.
Auch die Ausbildungsbetriebe gaben Einblicke in ihre Perspektive. Sie berichteten von anfänglichen sprachlichen und kulturellen Unterschieden im Arbeitsalltag, zugleich aber auch von hoher Motivation, Lernbereitschaft und beeindruckender persönlicher Entwicklung der Auszubildenden. Besonders hervorgehoben wurde die kontinuierliche Begleitung durch das Kümmerer‑Projekt als zentraler Erfolgsfaktor. Viele Podiumsteilnehmer nutzten daher auch die Gelegenheit, um der Kümmerin Monika Brucklacher persönlich für ihr Engagement zu danken.
Das Fazit der Veranstaltung: berufliche Ausbildung und gelungene Integration gehen Hand in Hand. Das Erlernen der deutschen Sprache wurde dabei als Schlüssel hervorgehoben – für das Ankommen im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und beruflichen Erfolg. Viele ehemalige Teilnehmende berichteten, dass Deutschland inzwischen zu ihrer neuen Heimat geworden ist. Unternehmen wiederum betonten, dass aus Auszubildenden wertvolle Teammitglieder und dringend benötigte Fachkräfte geworden sind.
Die Jubiläumsveranstaltung endete mit persönlichen Gesprächen und einem gemeinsamen Blick in die Zukunft – getragen von der Überzeugung, dass die Verbindung von Integration und beruflicher Ausbildung auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird.
Zahlen zum Projekt
- Bis Ende 2025 wurden 365 Interessierte in das Kümmerer‑Projekt aufgenommen
- 256 junge Menschen konnten in eine Ausbildung oder in ein Praktikum vermittelt werden
- Rund 250 weitere Personen nutzten Beratungsangebote (zum Beispiel Anerkennung,
Orientierung, Qualifizierung)
- Die Abbruchquote lag im vergangenen Ausbildungsjahr bei lediglich zwölf Prozent
Die Position der „Kümmerin“ wird seit einigen Jahren von Monika Brucklacher wahrgenommen. Sie ist beim Landratsamt angestellt und arbeitet in enger räumlicher Nähe zur Wirtschaft bei der IHK Esslingen.
