Perspektive für Neckarhafen Plochingen gefordert
Die Bundesregierung hat den Etat für die Bundeswasserstraßen gekürzt. Davon ist auch der Neckarhafen in Plochingen betroffen. Landrat Marcel Musolf und Plochingens Bürgermeister Frank Buß machen sich in einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten im Landkreis für eine Erhöhung des Etats stark.
Mit dem Bundeshaushalt 2026 ist Ende November vergangenen Jahres auch eine Kürzung des Etats für die Bundeswasserstraßen in diesem Jahr beschlossen worden. So sind Finanzmittel in Höhe von 1,471 Milliarden Euro vorgesehen. Zur Erreichung der Zielmarke von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr fehlen dieses Jahr mehr als eine Milliarde Euro. Bis 2028 wird der Fehlbetrag voraussichtlich auf rund 2,8 Milliarden Euro steigen. Zusätzlich ist bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) eine pauschale Personaleinsparung um acht Prozent geplant. „Infolge dieser Entscheidungen drohen Betriebsausfälle bis hin zu Sperrungen von Bauwerken und Wasserwegen“, so formulierten es Landrat Musolf und Bürgermeister Buß in einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten im Landkreis. Sie machen sich für die Erhöhung des Etats auf die Zielmarke von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr sowie für eine Gleichbehandlung der drei Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserstraße stark.
Nach der Verabschiedung des Bundeshaushalts müsse nun zumindest über den unterjährigen Haushaltsvollzug und damit verbundener Spielräume sichergestellt werden, dass die Wasserstraßen-Infrastruktur nicht zu kurz komme. Landrat und Bürgermeister setzen dabei auf die Unterstützung der örtlichen Bundestagsabgeordneten. Denn gerade im Landkreis Esslingen wären die negativen Auswirkungen einer dauerhaften Unterfinanzierung der Wasserstraßen enorm: „Der Neckarhafen Plochingen ist als zentraler Logistik- und Umschlagsknoten von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke des Landkreises Esslingen“, sagt Landrat Marcel Musolf.
Ein Bedeutungsverlust des Hafens habe Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur im Landkreis. Dank der zentralen Lage im Land, dem Flughafen Stuttgart und der hohen Dichte an Bewohnern und produzierenden Unternehmen sei der Landkreis Esslingen die verkehrliche Drehscheibe des Landes, die Straßen- und Schieneninfrastruktur im Landkreis sei bereits jetzt sehr stark belastet. „Eine zusätzliche Verlagerung von Gütertransporten vom Wasser auf die Straße zieht schätzungsweise rund 100.000 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Jahr nach sich, darunter viele Großraum- und Schwerlasttransporte“, sagt Musolf.
Plochingens Bürgermeister Frank Buß ergänzt die Bedeutung des Hafens: „Als erster Binnenhafen des schiffbaren Neckars ist der Neckarhafen Plochingen von diesen geplanten Einsparungen besonders betroffen.“ Im und um den Hafen sind zahlreiche Betriebe aus Branchen wie Chemie, Mineralölwirtschaft, Kerosinversorgung für den Flughafen Stuttgart, Baustoffe und insbesondere aus der Kreislauf- und Recyclingwirtschaft angesiedelt, die für die Transformation der Wirtschaft unerlässlich seien. Für sie stelle die Möglichkeit, steigende Materialmengen zu beziehen, umzuschlagen und zu transportieren, einen wesentlichen Standortfaktor dar.



