Pflanzen für den Zukunftswald

Förster Eckard Hellstern zeigt sich zufrieden mit dem Feinwurzelanteil der jungen Pflanze (Foto: Elke Rimmele-Mohl, Kreisforstamt)

Mit Hochdruck werden derzeit in den Wäldern des Landkreises Esslingen Tausende junger Bäume gepflanzt. Aufgeforstet werden Lücken, entstanden durch die Folgen des Klimawandels. Innerhalb weniger Wochen müssen die Setzlinge in den Boden.
So plant beispielsweise Förster Eckard Hellstern vom Forstrevier Filderstadt-Aichtal in seinem Revier die Pflanzung von mehr als 3.000 jungen Bäumen. „Wir starten immer so früh wie möglich mit den Pflanzarbeiten“, erläutert der Forstmann, denn nur so könne die Winterfeuchtigkeit voll ausnutzt werden. Derzeit sind die Bedingungen gut, weil auch in 30 Zentimeter Tiefe die Erde noch ordentlich durchfeuchtet ist. Trotzdem hofft der Revierleiter auf weitere Niederschläge. Noch immer sei der Boden in tieferen Schichten viel zu trocken.
 

Die aufzuforstenden Flächen sind den Schäden durch den Klimawandel geschuldet. „Steigende Durchschnittstemperaturen und weniger Niederschlag belasten die Waldökosysteme“, erläutert Revierleiter Hellstern. Hinzu kommen invasive Arten und Schädlinge, die neue Krankheitsbilder hervorrufen. Ein Beispiel ist das Eschentriebsterben, bei dem ein aus Asien eingeschleppter Pilz Eschen flächig absterben lässt. „Der Verlust der Esche schmerzt uns Forstleute sehr“, bekennt Eckard Hellstern. Eine so entstandene Kahlfläche wird aktuell in Filderstadt aufgeforstet.

Baumarten mit Zukunft
Waldbesitzer und Forstleute stehen vor großen Herausforderungen. Welche Baumart wird noch Zukunft haben? „Wir setzen auf standortangepasste, naturnahe Mischwälder, in denen trockenheitstolerante Baumarten besonders gefördert werden“, erläutert Eckard Hellstern die Strategie. Hohe Priorität hat die Eiche, aber auch Esskastanie, Elsbeere, Hainbuche, Roteiche, Winterlinde und Douglasie stehen in Filderstadt auf dem Plan. Ausgerechnet diese Baumarten gelten beim Rehwild als Leckerbissen. Deshalb, und zum Schutz vor Witterungsextremen, müssen die Pflänzchen mit einer Hülle geschützt werden.

Eichenpflanzung in Filderstadt: Die Forstwirte Tobias Knödler (links) und Thomas Gerstner bringen den Pflanzlochbohrer zum Einsatz
(Foto: Elke Rimmele-Mohl, Kreisforstamt)

Pflanzlochbohrer im Einsatz
Sehr großer Wert wird auf eine gute Qualität der Pflanzen und eine professionelle Ausführung der Pflanzung gelegt, denn oft müssen die Bäumchen schon im ersten Jahr Trockenphasen überstehen. Ideal ist eine Pflanze mit großer Wurzel und reichlich Feinwurzelanteil. Entsprechend groß müssen die Pflanzlöcher sein. Für sämtliche Eichen wird deshalb in Filderstadt ein Pflanzlochbohrer eingesetzt. Mit Motorkraft werden großzügige Löcher ausgehoben, so dass die üppigen Wurzeln bequem in der Erde Platz finden. Das Kreisforstamt Esslingen lässt die Pflanzarbeiten grundsätzlich von Fachpersonal durchführen, um den besten Anwuchserfolg zu garantieren.

50.000 neue Bäume für Kommunalwälder des Landkreises
Insgesamt werden in den Kommunalwäldern des Landkreises dieses Jahr rund 50.000 Pflanzen gesetzt, etwa eine Fläche von rund 30 Hektar. „Das klingt viel, ist aber im Verhältnis zur Gesamtfläche der ‚jungen Generation‘ doch überschaubar“, erläutert Forstamtsleiterin Cordula Samuleit, denn gepflanzt werde trotz allem nur im Ausnahmefall. „Wir arbeiten nach dem Konzept der naturnahen Waldwirtschaft und übernehmen, wenn möglich, die Sämlinge, welche die Natur uns schenkt.“
 
Als Indiz für die große Naturnähe der Wälder im Landkreis gilt der große Buchenanteil von rund 40 Prozent. Reichlich Buche ist auch in der nächsten Waldgeneration vertreten, die in Form der Naturverjüngung bereits strauchhoch heranwächst. Ausgerechnet die Buche hat sich seit den Dürresommern 2018/2019 zum Sorgenkind der Forstleute entwickelt. Vor allem alte Buchen ertragen schlecht hohe Temperaturen und bis in tiefe Schichten ausgetrocknete Böden. „Doch genau diese beiden Phänomene erwarten uns mit fortschreitendem Klimawandel“, befürchtet Eckart Hellstern. Deshalb sei es das Ziel, sich zukünftig mit vielen Mischbaumarten so breit wie nur möglich aufzustellen, um das Risiko des Baumsterbens zu streuen.

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Andrea Wangner

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