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Abschied vom Wald nach 40 Jahren

Forstdirektor Armin Tomm geht in den Ruhestand - Ökosystem Wald als ganzes im Blick behalten

Bleibende Spuren hinterlässt der scheidende Forstdirektor Armin Tomm unter anderem im Bannwald Schachen: Für die Ausweisung des Schutzgebietes machte sich der Forstmann einst stark.

Eigentlich hatte sich Forstdirektor Armin Tomm ein Leben als Forstmann in einer waldreichen Region in Baden-Württemberg „ganz weit weg vom Schuss“ vorgestellt. Tatsächlich hat ihn dann der Verdichtungsraum rund um den Mittleren Neckar während seiner ganzen Dienstzeit nicht losgelassen. Nach über 40 Dienstjahren geht der stellvertretende Leiter des Kreisforstamtes Esslingen nun zum 1. Mai in den Ruhestand.

Rund 600 000 Kubikmeter des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz hat Armin Tomm in dieser Zeit verkauft. In welches Forstamt er auch kam – überall eilte ihm der Ruf eines guten Holzverkäufers voraus und so wurde ihm gerne diese verantwortungsvolle Tätigkeit anvertraut. Dabei waren die Bedingungen meist alles andere als rosig, denn „wir arbeiteten oft im Krisenmodus“. Wie ein roter Faden zogen sich seit 1990 die Stürme Vivian, Wiebke, Lothar und Kyrill durch das Berufsleben des Forstmannes. Und stets folgte den Sturmholzereignisse in der Folge eine Borkenkäferwelle. „Das war meist ein Holzverkauf unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen“, erinnert sich Armin Tomm rückblickend. Trotzdem brachte er den Rohstoff Holz stets so an den Käufer, dass das Holz einer möglichst hochwertigen und langfristigen Verwertung als Bau- oder Möbelholz zugeführt wurde.


Die Liebe zur Natur hat Armin Tomm zum Forstberuf gebracht. Schon als zehnjähriger Junge befasste er sich mit der heimischen Vogelwelt. Das Interesse an den Vögeln führte ihn fast zwangsläufig in den Wald. „Ein Biologiestudium wäre auch eine Option gewesen“, erinnert sich Armin Tomm, doch dann entschied der Zufall: Die Zusage zum Forststudium flatterte ihm früher ins Haus. Folgerichtig nahm er in Göttingen das Forststudium auf, das er als sehr breit gefächert und vielfältig angelegt erlebte – „da gab es kein Scheuklappendenken, das lag mir.“

Das Referendariat führte den Forstmann aus Nordrhein-Westfalen nach Geislingen an den Albtrauf, dem er immer besonders verbunden blieb. Später lernte er durch die Standortskartierung im Keuperbergland die Wälder rund um Sindelfingen, Backnang und Winnenden kennen. Weitere Stationen waren die Forstdirektion in Stuttgart und das Forstamt Stuttgart. Die Amtsleitung hatte er in den Forstämter Esslingen, Giengen und Nürtingen inne. Seit 2005 ist Armin Tomm stellvertretender Leiter des Kreisforstamtes Esslingen, wo er die Betriebsleitung von neun Forstrevieren und den Laubstammholzverkauf verantwortet.

Schwierige Zeiten waren im Forst nicht nur durch die Sturmereignisse zu bestehen. Zwei Organisationsreformen erzwangen Ortswechsel und führten zu teils kurzen Verweildauern in den jeweiligen Ämtern. Das sieht der scheidende Forstdirektor rückblickend mit Bedauern, denn „Wald ist auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit angelegt, man muss lange an einer Stelle sein, um den Wald wachsen zu sehen und Spuren zu hinterlassen.“ Bleibende Spuren hinterlässt Armin Tomm im Landkreis dennoch. So geht die Ausweisung des Bannwaldes „Schachen“ zwischen Baltmannsweiler und Plochingen auf seine Initiative zurück. Hier kann sich heute auf 73 Hektar Urwald von Morgen entwickeln. Auch die Ausweisung des 359 Hektar großen Schonwaldes „Reichenbachtal“ bei Leinfelden-Echterdingen brachte Armin Tomm mit auf den Weg. Nie zuvor war in Württemberg ein Schonwald dieser Größenordnung ausgewiesen worden. Für den Vogelschutz und die biologische Vielfalt ist der Schonwald von großem Wert. „Armin Tomm hat sich der Nachhaltigkeitsidee immer besonders verpflichtet gefühlt“, lobt Forstamtsleiter Anton Watzek den scheidenden Forstmann. Stets habe er das Ökosystem Wald als Ganzes im Blick behalten. „Seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben seine ruhige und zielführende Arbeitsweise immer sehr geschätzt“, so Watzek.
„Wald war für mich nie auf die Dienstzeit beschränkt“, bekennt Armin Tomm, daher wird ihn der Wald auch im Ruhestand nicht loslassen. Die alte Leidenschaft für die Ornithologie und alles „was da kreucht und fleucht“ wird wieder mehr Raum bekommen. Gut möglich, dass Armin Tomm seine ausgezeichneten botanischen Kenntnisse nochmals in den Dienst der Wissenschaft stellen wird. „In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“, dieses Kafka- Zitat prangt eingerahmt über dem Schreibtisch des scheidenden Forstmannes. Auch dazu wäre jetzt endlich mal Zeit.