Tulpenbaum-Samenernte in Baltmannsweiler

Größtes Vorkommen Baden-Württembergs im Schurwald - Baumart gilt als klimastabil

Aussieben der Samen: Mithilfe eines überdimensionalen Siebes werden die Samen ausgesiebt.
Die Blattform hat dem Tulpenbaum seinen Namen gegeben. Ein engmaschiges Netz fängt Blätter und Samenstände am Boden auf.

Das Forstrevier Baltmannsweiler verfügt mit einer Fläche von fast vier Hektar über das größte Tulpenbaumvorkommen Baden-Württembergs. Das brachte eine aktuelle Erhebung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) an den Tag. Der Tulpenbaum ist in den Fokus der Forstwissenschaft gerückt, denn möglicherweise könnte die Baumart in Zukunft im Wald eine wichtigere Rolle spielen, weil sie als toleranter gegen Sommertrockenheit gilt. Jetzt wurden in Baltmannsweiler erstmals die Samen der Tulpenbäume geerntet.

„Es ist ein Versuch“, erklärt Thomas Ebinger, technischer Leiter des baden-württembergischen Saatgutbetriebs – kurz Staat-klenge Nagold. Er ist zur Tulpenbaum-Samenernte eigens nach Baltmannsweiler gekommen, um sich vor Ort ein Bild von der Qualität und Ausbeute des Saatgutes zu machen.
Die Rahmenbedingungen bei der Ernte sind ideal: Es herrscht völlige Windstille und die Samen sind im perfekten Reifengrad „Wir haben den Zeitpunkt gut erwischt“, freut sich Forstrevierleiter Helmut Glowania. Zwei Wochen zuvor hat er gemeinsam mit Ebinger den Reifegrad der Samen überprüft und man entschied nochmals abzuwarten.

Die Erntearbeit ist mühsam und aufwändig: Baumkletterer Gerhard Strasser aus Trochtelfingen ist mit zwei Mitarbeitern angerückt. Strassers Arbeitsplatz ist in luftiger Höhe. Mit Hilfe eines Pflückstocks schüttelt er die Äste oder klopft sie ab, so dass die Fruchtstände auseinanderfallen und mit den Blättern zu Boden fallen. Dort sind viele Quadratmeter feinmaschiger Netze ausbereitet, um Samen und Blätter aufzufangen. Vom Netz wird das Laub in ein großes Sieb geschüttet und anschließend ausgesiebt. So bleibt schließlich ein Bodensatz von Samen zurück. „Die Ausbeute ist recht gering, aber das ist für den Tulpenbaum typisch“, lautet das Urteil von Thomas Ebinger.

Der Forstmann wird die Samen in der Staatsklenge in Nagold aufbereiten und zur Aufzucht weitergeben. Die Nachfrage ist derzeit groß denn der Tulpenbaum könnte ein wichtiger Baum im Zukunftswald werden, da er in seiner Heimat an heiße und trockene Sommer gewöhnt ist. Forstliche Klimafolgenforscher setzen daher Hoffnungen auf die aus dem Osten Nordamerikas stammende Baumart, die zur Familie der Magnoliengewächse zählt. „Unser Wald wird nicht verschwinden, aber er wird sich anders zusammensetzen“, erklärt Forstamtsleiter Anton Watzek. Arten wie Tulpenbaum und Atlaszeder könnten dazu beitragen, ihn noch vielfältiger aufzustellen.

Tatsächlich haben die Tulpenbäume in Baltmannsweiler den Dürresommer 2018 recht gut verkraftet. Die rund 60 Jahre alten Bäume präsentieren sich in üppig gelbem Herbstlaub. Die Klimafolgenforscher der FVA haben das Tulpenbaumwäldchen im Schurwald zwischenzeitlich in ihre ständigen Beobachtungsflächen aufgenommen.

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