Jungfernfahrt des ersten Brennstoffzellen-Fahrzeugs für das Straßenbauamt

Landkreis Esslingen erreicht einen Meilenstein auf dem Weg zur emissionsfreien Straßenmeisterei

Das Projekt wird von Bund und Land mit mehr als einer halben Million Euro gefördert

Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) würdigt den Einsatz des ersten Brennstoffzellenfahrzeugs als Aufbruch in eine neue Zeit.  (Foto: Landratsamt Esslingen, Andrea Wangner)
Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) würdigt den Einsatz des ersten Brennstoffzellenfahrzeugs als Aufbruch in eine neue Zeit.
(Foto: Landratsamt Esslingen, Andrea Wangner)

Das Straßenbauamt des Landkreises Esslingen hat den ersten Lastkraftwagen mit Brennstoffzellen-Antriebsstrang in seinen Fuhrpark übernommen. Das Fahrzeug wurde am Mittwoch, 19. Oktober mit einer Jungfernfahrt im Beisein von Verkehrsminister Winfried Hermann sowie den Landräten Heinz Eininger und Edgar Wolff in der Straßenmeisterei Kirchheim unter Teck in Dienst gestellt.

Bei dem Fahrzeug mit Doppelkabine und Pritsche mit einer zulässigen Gesamtmasse von 4,6 Tonnen handelt es sich um das erste von zwei Wasserstoff-Fahrzeugen, die im Projekt „Emissionsfreie Straßenmeisterei“ im Landkreis Esslingen (LKES²) als Pilot-Serienfahrzeug in Einsatz kommen. Der Landkreis kooperiert dabei mit dem Institut für nachhaltige Energietechnik und Mobilität (INEM) an der Hochschule Esslingen und Partnern aus der regionalen Wirtschaft.

„Mit dem Einsatz dieses Fahrzeugs machen wir einen großen Schritt auf dem Weg zu einer emissionsfreien Straßenmeisterei und leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Landrat Heinz Eininger. Im Straßenbetriebsdienst wird den schweren Nutzfahrzeugen im Alltag häufig ein hoher Energieeinsatz abverlangt. Dem aktuell noch deutlich kostengünstigeren batterieelektrischen Antrieb sind deshalb Grenzen in Sachen Reichweite und Robustheit gesetzt. Bei Fahrzeugen mit einem Brennstoffzellen-Antriebsstrang kommen weitere Vorteile zum Tragen: Durch die Ergänzung des batterieelektrischen Antriebs durch Brennstoffzelle und Wasserstofftanks hat der Lastkraftwagen eine Reichweite von rund 500 Kilometern, zudem zeichnet er sich durch eine hohe Robustheit aus.

„Etwa 99 Prozent der schweren Nutzfahrzeuge sind immer noch dieselbetrieben. Das Potential zur Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge ist daher gerade in diesem Fahrzeugsektor enorm. Der Einsatz der Brennstoffzelle kann diese Lücke schließen. Vor allem im Schwerlastverkehr ist ihr Einsatz sinnvoll. Daher möchten wir als Land die Brennstoffzellentechnologie entschieden vorantreiben“, sagt Landesverkehrsminister Hermann, der Jungfernfahrt vom Aufbruch in eine neue Zeit sprach.

Das Projekt ist Teil des Wettbewerbsbeitrags „H2Rivers“ und wurde Rahmen des HyLand-Förderprogramms des Bundes als Gewinnerregion in der Kategorie „HyPerformer“ ausgewählt. Das Projekt hat ein Volumen von insgesamt rund 950.000 EUR. Die Beschaffungen werden im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie mit insgesamt 388.500 EUR durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt. Das Land Baden-Württemberg fördert die Fahrzeugbeschaffungen mit weiteren 200.000 EUR im Rahmen der Landesinitiative III Marktwachstum Elektromobilität.

Die Herstellung der Nutzfahrzeuge mit alternativem Antriebsstrang ist durch einen hohen Anteil regionaler Wertschöpfung gekennzeichnet. Hersteller ist das Unternehmen Elektrofahrzeuge Stuttgart (EFA-S GmbH) mit Sitz in Zell unter Aichelberg im Landkreis Göppingen. Das vom Hersteller entwickelte Antriebskonzept ermöglicht im Segment der Kleintransporter eine hohe Reichweite bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,6 Tonnen. Weiter ermöglicht der drehmomentstarke Elektromotor die Koppelung des Fahrzeuges an einen zusätzlichen 2,5 Tonnen-Anhänger. Das Fahrzeug ist in dieser Kombination auf dem Fahrzeugmarkt der erste seiner Art.

Nach der Beschaffung des ersten batterieelektrischen Lastkraftwagens für das Straßenbauamt im Herbst 2020 setzt der Landkreis Esslingen nun auch mit dem Einstieg in die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie auf Zukunftstechnologien. „Das reine Wasserstoffauto war bis vor Kurzem für alle noch außer Reichweite, die Entwicklung, das System zu teuer. Nun sehen wir Wasserstoff als das Erdgas der Zukunft. Ich freue mich, dass unser Straßenbauamt gemeinsam mit einem Hersteller aus dem Landkreis Göppingen hier mit gutem Beispiel vorangeht“, sagt Landrat Edgar Wolff.

Die Vorteile dieses Fahrzeugkonzepts liegen nach Einschätzung von Experten in den sehr guten Marktperspektiven der Fahrzeuge: Diese können nicht nur in Straßenmeistereien zum Einsatz kommen, sondern bilden auch das klassische Nutzungsspektrum eines Fahrzeugs in kommunalen Bauhöfen ab. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Fahrzeug an bestehenden 700 bar Wasserstoff-Tankstellen betankt werden kann. Im Landkreis sind solche Tankstellen bisher in Wendlingen am Neckar und am Landesflughafen in Betrieb. Weitere Tankstellen, an denen klimaneutral gewonnener grüner Wasserstoff getankt werden kann, sind im Kreisgebiet bereits in konkreter Planung und werden in den kommenden Jahren schrittweise zur Verfügung stehen.
 
Das Straßenbauamt des Landkreises Esslingen betreut die Landkreise Esslingen und Göppingen. Die Unterhaltung (einschließlich Winterdienst und Grünpflege) des gesamten Straßennetzes der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen erfolgt durch die Straßenmeistereien in Deizisau, Kirchheim unter Teck und Geislingen an der Steige. Das erste Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb kommt im Straßenunterhaltungsdienst zum Einsatz – im Besonderen in der Straßenmarkierungskolonne.
Sobald sich das Pilotfahrzeug in der betrieblichen Praxis bewährt, wird es reguläre Ersatzbeschaffungen ersetzen können.

Pressesprecherin

Andrea Wangner

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