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Baum des Jahres in voller Blüte

Trockenheitstolerante Robinie könnte in Zukunft eine größere Rolle im Wald spielen

Steht jetzt in voller Blüte: die Robinie, der Baum des Jahres 2020. Forstmann und Imker Ralf Schuster freut sich über die üppige Blüte

Jetzt zeigt sich der Baum des Jahres 2020 – die Robinie – von seiner reizvollsten Seite: Die hängenden weißen Blütentrauben sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern verströmen auch einen intensiven süßlichen Duft. In den Wäldern des Landkreises Esslingen ist die Robinie nur selten zu finden. Böden und Klima in den hiesigen Wäldern waren bisher nur wenig geeignet für die Robinie. Jedoch wird der Baumart derzeit, mit Blick auf die fortschreitende Klimaerwärmung, wachsende Aufmerksamkeit geschenkt. Denn die Robinie ist erstaunlich hitze- und trockenheitstolerant. Deshalb ist sie bei aktuellen Aufforstungsprojekten des Forstamtes auch mit eingeplant.

Förster Ralf Schuster ist nicht nur der Leiter des Forstrevieres Neuffen, sondern auch Vorsitzender des Nürtinger Bezirksbienenzüchtervereins. Er schätzt den Baum des Jahres vor allem wegen seiner bienenfreundlichen Blüte. Wo viele Robinien beieinanderstehen, kann der intensive Duft wahrgenommen werden. Dieser lockt die Insekten zur Bestäubung und zeigt den Weg zur süßen Nektarquelle. Die fließt in manchen Jahren so reichlich, dass dann ein sortenreiner „Akazienhonig“ gewonnen werden kann. „Akazie ist eigentlich ein irreführender Begriff“, erläutert Förster Schuster, „richtiger wäre Robinie oder Scheinakazie“.

Als Alleebaum ist die Robinie weit verbreitet, denn sie kommt im Sommer gut mit dem städtischen Klima zurecht und ist zudem recht salz- und immissionstolerant. Der Schmetterlingsblütler verfügt außerdem über Knöllchenbakterien im Wurzelbereich, die Stickstoff aus der Luft binden und den Boden da-mit anreichern können. So kommt sie auch mit schwierigen Bodenverhältnissen zurecht. Dabei hilft ihr auch die ausgeprägte Fähigkeit, aus den Wurzeln auszutreiben. „Sägt man einen Baum ab, treibt er aus den Wurzeln einfach neue Schösslinge“, erklärt Förster Ralf Schuster. Steile Böschungen können so relativ schnell bewurzelt und verfestigt werden. Daher trifft man die Robinie häufig entlang von Bahndämmen und Straßenböschungen. Auf seltenen und naturschutzfachlich hochwertigen Standorten wie Magerasen wird sie aber nur ungern gesehen, da der gesammelte Stickstoff die Lebensbedingungen für die dort lebenden, spezialisierten Tier- und Pflanzenarten verschlechtert. Bei einer aktiven Pflanzung muss daher genau abgewogen werden, ob die Robinie auf dem jeweiligen Standort auch passt. In der Forstwirtschaft wird die Robinie bisher gerne zur Rekultivierung von Deponien, besonders in Böschungsbereichen, genutzt.

Weil die Robinie sehr viel Trockenheit ertragen kann, steigt das Interesse an der Baumart aktuell. „Wir müssen prüfen, welche Rolle, die Robinie im klimastabilen Wald der Zukunft spielen kann“, erläutert Forstamtsleiterin Cordula Samuleit. Deshalb ist die Robinie bei passenden Wiederaufforstungsprojekten im Landkreis eingeplant. Außergewöhnlich witterungsbeständig ist das Holz der Robinie. Kein anders Holz in Europa ist ohne Imprägnierung derart resistent. Diese Eigenschaft wird für die Herstellung von Rebstöcken, Zaun- und Weidepfählen geschätzt. Spielplatzgeräte werden ebenfalls häufig mit Robinienholz gestaltet. Bei Gartenmöbeln und Terrassendielen ist Robinienholz die ideale Alternative zu Tropenhölzern

Robinienwälder sind eine dornige Angelegenheit: Bis zu drei Zentimeter lange Dornen sind unter den gefiederten Blättern versteckt. Mit diesen Dornen und zusätzlich mit Giftstoffen in den Pflanzenteilen, schützt sich der Baum gegen den Fraß von Tieren. Für Insekten gilt das zum Glück nicht. Die Robinien sind jetzt vom Summen der Bienen erfüllt und leisten somit einen aktiven Beitrag zur Stärkung der Biodiversität. In diesem Jahr hofft der Förster Ralf Schuster wieder auf eine gute Ernte des begehrten „Akazienhonigs“.