Steigende Corona-Infektionszahlen: Der Landkreis Esslingen setzt Beschlüsse aus Berlin um

Am Donnerstagvormittag lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Esslingen bei 80,2. Der Landkreis trifft nun die Vorkehrungen, wie sie bei der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs am Mittwochabend in Berlin beschlossen wurden. „Wir können die Infektionskontrolle nur behalten, wenn es uns gelingt, die Infektionszahlen einzudämmen und damit die Kontaktnachverfolgung sicher zu stellen. Wir handeln damit zügig und konsequent“, sagt Landrat Heinz Eininger.

Mit Überschreiten der Vorwarn- und der Eingriffsstufe wurden im Landkreis bereits einschneidende Maßnahmen erlassen. Diese werden nun weiter verschärft. Bis auf weiteres gilt ab Samstag, 17. Oktober, 0 Uhr: private Feiern im privaten Kreis werden auf zehn Teilnehmer aus höchstens zwei Haushalten begrenzt, private Feiern in öffentlichen Räumen ebenfalls auf zehn Teilnehmer. Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasenbedeckung wird auf Schulen ab der Klassenstufe fünf erstreckt. Bei öffentlichen Veranstaltungen wird die Zahl der Teilnehmer auf 100 Personen begrenzt. Das hat zum Beispiel Auswirkungen auf das Messegeschehen im Landkreis, die Hochzeitsmesse am kommenden Wochenende musste bereits abgesagt werden. „Diese Entscheidung haben wir nach Rücksprache mit den Ministerialdirektoren des Wirtschafts- und des Sozialministeriums getroffen“, sagt der Landrat. Eine weitere Einschränkung gibt es mit der Einführung von Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum auf maximal zehn Personen. „Trotz aller staatlich gelenkten Verordnungen braucht es jetzt die Einsicht jedes Einzelnen und die Bereitschaft, sich jetzt zu beschränken, um das Infektionsgeschehen im Kreisgebiet positiv zu beeinflussen“, sagt Eininger. „Das war der Erfolgsfaktor bei der Eindämmung des Virus im Frühjahr.“

Aktuelles Infektionsgeschehen
Mit einer Inzidenz von 80,2 am Donnerstag liegt der Landkreis Esslingen derzeit an der Spitze der Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg. In den vergangenen sieben Tagen haben sich 429 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. In Verbindung mit dem Virus ist am Donnerstag ein weiterer Todesfall im Landkreis gemeldet worden.
Auch die Zahl der Coronatests im Kreisgebiet ist in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen: In der Woche von 27. Juli bis 2. August (KW 31) wurden 832 Personen getestet, davon waren 0,4 Prozent positiv. In der Woche von 14. bis 20. September (KW 38) gab es 1.799 Tests, 4 Prozent davon waren positiv. Im Zeitraum von 5. bis 11. Oktober (KW 41) wurden 3.067 Personen abgestrichen, bei 6 Prozent davon fiel der Test positiv aus. „Wir testen sehr viel aber gezielt, und können so die Verbreitung des Virus viel besser nachverfolgen als noch im Frühjahr“, erklärt Dr. Dominique Scheuermann, die Leiterin des Gesundheitsamts im Landratsamt. Das Infektionsgeschehen im Landkreis ist weiterhin diffus, mit Hotspots in Flüchtlingsunterkünften, verbunden mit einem Ausbruch in einem Frachtzentrum. In Flüchtlingsunterkünften gibt es momentan 77 registrierte Fälle. Mehrere Unterkünfte wurden ganz oder zum Teil unter Quarantäne gestellt. „Wir werden die Menschen in den Unterkünften durchtesten“, sagt Dr. Scheuermann.

Aktuelle Situation an den medius KLINIKEN
Die Zahl der stationär aufgenommenen Corona-Patienten an den kreiseigenen medius KLINIKEN hat sich in der vergangenen Woche leicht erhöht. Am Standort in Kirchheim werden sieben Patienten behandelt, einer davon auf der Intensivstation. In Nürtingen werden sechs Patienten behandelt, drei davon müssen auf der Intensivstation beatmet werden. In Ruit werden zwei Patienten behandelt. Engpässe in der der Behandlung sind derzeit nicht abzusehen.

Möglichkeiten für Coronatests
Menschen mit Symptomen und Kontaktpersonen können sich nur mit einem Code vom Hausarzt an einem der beiden Corona-Abstrichzentrum (CAZ) in Nürtingen-Oberensingen und seit Donnerstagmorgen auch wieder an der Messe Stuttgart im Drive-In-Verfahren testen lassen. Damit wird eine Kapazität von maximal 1.200 Tests pro Tag geschaffen. „Wir haben es mit Unterstützung der Ärzteschaft, der Maltester und der medius KLINIKEN in der Kürze der Zeit geschafft, das zweite Abstrichzentrum wieder in Betrieb zu nehmen“, so lobt der Gesundheitsdezernent Christian Baron die Akteure. Der Abstrich in Leinfelden-Echterdingen funktioniert wie beim CAZ in Nürtingen in einem Drive-In-Verfahren, die Probe wird aus dem Auto heraus entnommen. Das Landratsamt bittet darum, auch das CAZ an der Messe zu nutzen. Weitere Testmöglichkeiten bestehen in einer der 36 Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis. Die Praxen können unter der Adresse https://www.kvbawue.de/buerger/notfallpraxen/corona-anlaufstellen/corona-karte/ abgerufen werden. Am Flughafen besteht für Reisende die Möglichkeit, sich testen zu lassen.

Personalsituation im Gesundheitsamt
Die Personalsituation im Gesundheitsamt ist derzeit angespannt, denn mit der Zahl der Infizierten steigt auch die Zahl der Kontaktpersonen und die Nachverfolgung der Kontakte ist zeitintensiv. Die Mitarbeitenden im Gesundheitsamt werden derzeit von 25 Personen pro Schicht aus dem Landratsamt unterstützt. Insgesamt arbeiten 66 Mitarbeitende aus anderen Bereichen im Landratsamt in der Kontaktpersonennachverfolgung mit. Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstützt derzeit mit 14 Mitarbeitenden aus dem Call-Center. Seit Mittwoch sind zudem 15 Einsatzkräfte der Bundeswehr im Landratsamt bei der Kontaktpersonennachverfolgung eingesetzt.

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Andrea Wangner

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