Ein Kulturlandschaftspreis 2020 des Schwäbischen Heimatbundes geht in den Landkreis Esslingen

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Kohlberg-Kappishäusern bei den Hauptpreisträgern

(Fotonachweis Landratsamt Esslingen)
Die Ziegenherde der Ortsgruppe Kohlberg-Kappishäusern des Schwäbischen Albvereins ist als geländegängige Truppe von Landschaftspflegern unterwegs auf den kahlen und steilen Hängen des Jusi und hält hier die Landschaft offen. Die traditionelle Beweidung leistet einen wertvollen Beitrag für den Natur- und Landschaftsschutz und brachte der Ortsgruppe des SAV den Kulturlandschaftspreis 2020 ein.

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und anderen landschaftsprägenden Elementen kümmert, kann sich um den Kulturlandschaftspreis bewerben, den der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden‐Württemberg jährlich ausloben. Einer der
der fünf Kulturlandschaftspreise 2020 ging jetzt an die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins Kohlberg.

Der Jusi ist der Hausberg der Gemeinde Kohlberg und dort ist auch die Heimat der aktiven Ortsgruppe unter der Leitung von Stefan Tremmel. Die SAV Ortgruppe Kohlberg-Kappishäusern hatte mit zunehmender Sorge die Verschlechterung des Erhaltungszustands ihres geschätzten Hausberges beobachtet. Mit viel Mut, hohem ehrenamtlichen Engagement und großer Heimatverbundenheit startete die Ortsgruppe darum vor 10 Jahren mit dem heute prämierten Projekt, zur Beweidung wurde eine kleine Ziegenherde angeschafft. Unterstützung gab es vom Nachbarkreis. Einen Steinwurf entfernt hatte man auf dem Floriansberg die gleiche Situation einer zunehmenden Verbuschung. Aktuell wird die etwa 65-köpfige Ziegenherde nicht nur in den Schutzgebieten Jusi und Florian sondern auch im Naturschutzgebiet „Neuffener Hörnle-Jusenberg“ zur Landschaftspflege und Offenhaltung der Kulturlandschaft eingesetzt.

Der Jusi ist ein ehemaliger, aufgeschlossener Vulkanschlot. Er bildet eine weit sichtbare Landmarke im Landkreis Esslingen und gilt als geologische Besonderheit. Auf seinem schmalen Grat bietet er eine grandiose Aussicht auf das Albvorland mit der Filderebene und lockt jährlich viele Besucher an. Im Sommer kann man auf seinen kahlen und steilen Hängen eine bunt gemischte, lustig springende Ziegenherde der SAV Ortsgruppe Kohlberg- Kappishäusern beobachten.
 
Die vierbeinige und geländegängige Truppe von Landschaftspflegern sorgt dafür, dass der Magerasen reichlich blüht und die aus lockerem vulkanischen Substrat bestehenden Rutschungen auch zukünftig offenbleiben. Wegen der extremen Standortbedingungen und der traditionellen Beweidung haben sich dort wertvolle und geschützte Lebensräume entwickelt. Sie sind ein Refugium für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Darunter zählen neben verschiedenen Enzian- und Orchideenarten auch vom Aussterben bedrohte und am Lebensraum anspruchsvolle Insekten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, der Warzenbeißer, schwarzfleckiger Ameisenbläuling, Esparsetten- und Thymian Widderchen, die Zahntrost Sägedornbiene und die Sand-Blattschneiderbiene um einige zu nennen.

Noch vor wenigen Jahren war das Gebiet samt seiner hohen biologischen Vielfalt in seinem Bestand durch die zunehmende Gehölzsukzession und mangelnde Beweidung bedroht. Jahrelange Unterbeweidung und die Bewirtschaftungsaufgabe der Schäferei, wegen mangelnder Rentabilität, waren die Ursache.
 
Die vierbeinigen Landschaftspfleger sorgen zudem für eine nachhaltige Belebung des Vereinslebens. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen im ländlichen Raum konnten sie den Trend des Mitgliederschwundes aufhalten. Der SAV OG Kohlberg-Kappishäusern hat die Zahl der Vereinsmitglieder in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt. Die Verantwortung und Sorge für die Tiere haben die sozialen Beziehungen innerhalb des Vereins gefestigt. Mit Ziegen-Patenschaften werden zusätzliche Unterstützer und Freunde für das Projekt geworben. Aktionen rund um die Ziegen, wie das Ziegenfest und der Ziegenauftrieb sind feste Termine in Kohlberg. Auf dem vielfältigen Veranstaltungsprogramm des Vereins stehen außerdem Führungen mit den Ziegen sowie Nachmittagen mit Schulen und Kindergärten im Bereich der Naturerlebnispädagogik.

Der Verein darf sich mit Zuerkennung des Kulturlandschaftspreises 2020 über ein Preisgeld von 1.500 Euro freuen. Die Preisgelder werden vom Sparkassenverband Baden‐Württemberg sowie der Sparkassenstiftung Umweltschutz gestiftet. Überreicht werden die Preise im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Januar 2021 in Stuttgart.
 
Ausführliche Informationen zu den aktuellen und allen bisherigen Preisträgern unter www.kulturlandschaftspreis.de.

Pressesprecherin

Andrea Wangner

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