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Gemeinsame Herbsttagung der Selbsthilfegruppen "Sucht" im Landkreis Esslingen

Positive Weltsicht unterstützt Abstinenzvorhaben

Auf Einladung der Suchtberatung Nürtingen, die getragen wird vom Landkreis und Keisdiakonieverband Esslingen, fand kürzlich im katholischen Tagungszentrum Wernau die zweitägige Herbsttagung der Sucht-Selbsthilfegruppen im Landkreis Esslingen statt. Sozialpädagoge und Familientherapeut Gunther Wöllenstein von der Suchtberatung Nürtingen sensibilisierte mit seinem Vortrag „Wird die Welt besser oder schlechter?“ für einen genaueren Blick auf die eigene Weltsicht. „Wir leben in der besten aller Welten. Noch nie gab es in der Geschichte der Menschheit so wenig Gewalt,“ eröffnete er den Vortrag gleich mit einer These, gestützt auf Untersuchungen des US-amerikanischen Psychologen Steven Pinker. Immer mehr gelinge es dem Staat, sein Gewaltmonopol durchzusetzen. Durch den im Mittelalter einsetzenden „Prozess der Zivilisation“ (Norbert Elias) lernten die Europäer, ihre Gefühle zu beherrschen. Durch die Aufklärung, durch Romane und Filme sei das Mitgefühl für Andere stetig gewachsen. Mit dieser Entwicklung ging ein beispielloser wirtschaftlicher Aufschwung einher. Dennoch sei das Lebensgefühl der meisten Menschen entgegen der positiven Entwicklungen viel pessimistischer. Ein mit den rund 70 Veranstaltungsteilnehmern durchgeführter „Ignoranztest“ bestätigte sehr zur Überraschung der Teilnehmenden den Hang zur pessimistischen Einschätzung des Weltgeschehen. Der „Ignoranztest“, entwickelt von Hans Rosling, ergab bei einer entsprechenden Befragungen in 18 Ländern, dass die übergroße Mehrheit die Lage der Welt viel zu negativ einschätzte.

Ursache dieser weit verbreiteten kulturpessimistischen Sicht seien, so Gunther Wöllenstein, evolutionsbiologisch begründete Schwächen des Menschen, der negative Nachrichten für glaubwürdiger halte. Kritische Zeitgenossen würden als ernsthaft, Optimisten als oberflächlich eingeschätzt. Dies werde durch moderne Medien noch verstärkt, bei denen es schlagzeilenträchtige Ereignisse überwiegend negativer Art eher in die Berichterstattung schaffen würden, als positive Entwicklungen, die eher allmählich verlaufen.

Eindringlich wies der Referent auf Zusammenhänge zwischen einer weit verbreiteten, negativen Grundhaltung und der Gefahr, sich hieraus ergebender und verstärkender depressiver Entwicklungen bis hin zur Rückfallgefährdung bei Suchtproblemen hin. Rückfälle passierten oft in depressiven Phasen, die durch Selbstmitleid gekennzeichnet seien. Selbstmitleid wiederum brauche eine Legitimation und da biete sich eine pessimistische Weltsicht geradezu an.

Dem Vortrag schloss sich eine intensive weitere Bearbeitung in Kleingruppen an. Dabei war Raum und Zeit, persönliche Bezüge zur eigenen Lebensgeschichte herzustellen. Die meisten Teilnehmenden konnten von einer positiven Wende in ihrem Leben seit Beginn der Abstinenz berichten.


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