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07.04.2010 Depression und Sucht - wie kann man Unterstützung finden - Frühjahrstagung für Engagierte in den Selbsthilfegruppen Sucht im Landkreis


Am 26. und 27. März 2010 trafen sich über 70 Ehrenamtliche aus den Selbsthilfegruppen Sucht im Landkreis in der Bauernschule Wernau zur Frühjahrstagung. Sie wurde durchgeführt von der Psychosozialen Beratungsstelle Nürtingen des Landkreises, in Kooperation mit dem Kreisdiakonieverband Esslingen.

Zweimal im Jahr werden die Ehrenamtlichen landkreisweit eingeladen zur Fortbildung, Qualifizierung und persönlichen Weiterentwicklung. Referent Dr. Roland Feuls von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kreisklinikum Kirchheim-Nürtingen legte mit seinem Vortrag die Grundlage für die Gruppenarbeit des folgenden Tages. Alltagsnah und für Laien verständlich gelang es ihm, das Wesen der Depression zu skizzieren. Er beschrieb die Ursache als ein Missverhältnis von angeborener oder erworbener Verletzlichkeit auf der einen Seite, und einem auslösenden, aktuellen Stress auf der anderen Seite. Er gebrauchte das Bild eines LKW, der über eine Brücke fährt: ist die Brücke (die Persönlichkeit) sehr stabil oder der LKW (der Stressfaktor) leicht, wird es zu keinem Unglück kommen. Typische Belastungsfaktoren sind Trennungen, der Auszug der Kinder und der Tod naher Angehöriger. Neben der Schwere der Belastung ist auch deren Dauer entscheidend,  z. B. Mobbing über längere Zeit. Es entsteht eine Triade von drei gedanklichen Annahmen: „Ich bin nichts wert, ich bin an allem schuld“, „die Welt ist schlecht“ und „es wird nie besser“. Hier kann Behandlung ansetzen und die Erfahrungen zeigen: „Therapie hilft“. Am Anfang steht meist eine antidepressive Medikation, um eine akute Verspannung oder lang anhaltende Schlaflosigkeit zu überwinden. In eine weitere Abhängigkeit durch Medikamente zu geraten, muss nicht befürchtet werden, so die Einschätzung des Fachmanns. Er betonte die Wichtigkeit einer sich anschließenden Gesprächstherapie. Interessant war für die Teilnehmer, dass Ursachen wie auch die Behandlungsweise bei Depression und Sucht sich ähneln. Sie scheinen wie siamesische Zwillinge miteinander verknüpft. Ein großer Teil der Suchtkranken habe eine Depression, andererseits habe ein Großteil der Depressiven ein Suchtproblem, das oft unerkannt bleibt. In den Entzugsbehandlungen etwa der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Nürtingen verschwinden nach vier Wochen etwa 50 % der Depressionen durch die Abstinenz. In der Therapie wird vermittelt und gelernt, Konflikte auszutragen, sich abzugrenzen von den Forderungen des Umfeldes, den eigenen Perfektionismus abzubauen, körperlich aktiv zu werden und das Leben wieder zu genießen. Das Thema wurde in Kleingruppen unter Leitung von Gunther Wöllenstein und Ina Eberhardt-Wagner, Diplom-Sozialarbeiter und Sucht- und Familientherapeuten, und weiteren Mitarbeitern der Suchtberatungsstelle gemeinsam vertieft. Ziel der Tagungen ist es, die langfristige Abstinenz der Teilnehmer zu festigen, so dass auch schwierige Alltagssituationen suchtmittelfrei bewältigt werden  können. Die fachliche Anregungen und Impulse können sie an Betroffene weitergeben und qualifizieren sich damit für ihre Gruppenleitung und Arbeit in den Selbsthilfegruppen.



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Änderungsdatum 07.04.2010 08:49
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